Themen: NS-Zwangsarbeit - Zwangsarbeiterkind    in Duderstadt KZ-Außenlager Jüdische Gemeinde: Geschichte -  jüdischer Friedhof Friedhof 1953 Vernichtung Stolpersteine  Nationalsozialismus  und Duderstadt - Verdrängte Realität - Bgm. Dornieden - Richter Trümper - Priester R. Kleine Nachgeschichte des Nationalsozialismus:  - bürgerliche Alt-Nazis  - Kriegsgräber  - Anreischke  - Rechtsextremismus Friedensglobus Kriegsgefangene Hinweis: Die Geschichtswerkstatt Duderstadt e.V. wurde vom Finanzamt Northeim als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenquittungen ausstellen. Bankverbindung der Geschichtswerkstatt: Sparkasse Duderstadt (BLZ 26051260), Konto Nummer 116830 Ausstellung: Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit - Südniedersachsen 1939-1945 Öffnungszeiten: mittwochs und freitags von 10-16 Uhr, jeden 1. Sonntag im Monat von 14-17 Uhr Tel. 0551/29 34 69 01 Mehr Informationen: www.zwangsarbeit-in- Niedersachsen.eu BBS II Godehardstr. 11 37081 Göttingen Geschichtswerkstatt Duderstadt: Die Friedenstaube, der “Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen” und wir Die Zeit des Nationalsozialismus  lehrt uns unter anderem, niemals  politische Parolen ungeprüft hin- zunehmen oder gar blindlings zu übernehmen. Diese Lehre haben  wir anzuwenden in unserer Gegenwart.  Wir haben es derzeit mit dem Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen zu tun. Auf ihrer Facebook-Seite gibt diese Vereinigung Auskunft über sich selbst, und zwar als - besorgten Bürgern, die sich in der „aktuellen politischen Landschaft“ nicht repräsentiert sehen, - als verantwortungsbewussten deutsche Patrioten und - als friedfertigen Demokraten, für die auch die Friedenstaube ein Symbol ihrer Ziele sei. Bei genauem Hinsehen gibt diese Facebook-Seite jedoch noch ganz anderes von den thüringisch-niedersächsischen „Freunden“ preis. Sie schreiben von der Medienhetze gegen sich und vom „Lügensender“ FFN. Das entspricht der allgemeinen Verunglimpfung von Journalisten und der Presseorgane als „Lügenpresse“. Es zeugt nicht davon, dass die genannten „Freunde“ die Pressefreiheit und damit das Recht auf freie Meinungsäußerung als Grundpfeiler unserer Demokratie achten. Weiter erklärt der „Freundeskreis“ die Bundesrepublik zu einem Land, in dem die Herrschenden das Volk unterdrücken. In diesem Zusammenhang steht der Satz: „Das System hat Angst. Angst, dass das Volk sich diesen Irrsinn nicht mehr länger gefallen lässt.“ Das soll heißen: Die Herrschenden haben Angst vor dem Volk.  Und der „Freundeskreis“ sieht sich selbst auf der Seite dieses Volkes, das sich Gehör verschaffen und zur Wehr setzen müsse. Voller Anmaßung wird dort unten gerufen: „Wir sind das Volk!“ Das Wort „System“ – ich habe zitiert: „Das System hat Angst“ – ist der Sprache der Nationalsozialisten entnommen. Es bezeichnet dort die Auffassung von einer bestimmten gesellschaftlichen und politischen Ordnung. Die Nazis bezeichneten die Jahre der Weimarer Republik verächtlich als „Systemzeit“ und zerschlugen die Demokratie. Der  Homepage des „Freundeskreises“ zufolge ist auch unsere heutige Demokratie ein „System“. Sprache kann verräterisch sein. Sie kann darauf hinweisen, wes Geistes Kind einer ist. Auf der Facebook-Seite des Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen wird auch das in unserem Grundgesetz verbriefte Recht auf Asyl für politisch Verfolgte nicht anerkannt. Ebenso wenig das Recht von Kriegsflüchtlingen auf Aufnahme und Schutz. Es ist von „Asylforderern“ die Rede, die „in unser Land hineinfluten“. Es wird dazu aufgerufen, gegen den „Irrsinn“ der Aufnahme von Flüchtlingen aufzubegehren. Auf infame Weise wird vor den Flüchtlingen gewarnt. Es wird in einem Text nahegelegt, sie - als Diebe und Räuber anzusehen, - sie als Brandstifter und Vergewaltiger zu betrachten, - sie als Mörder zu fürchten, als besonders grausame Mörder sogar, nämlich als Halsabschneider im blutigen Sinne des Wortes. Das sind vergiftete Rede- und Denkweisen. Solche Hetze ist gänzlich unvereinbar mit dem, wie wir uns unser Land wünschen: human, gerecht, demokratisch, weltoffen. Auf der Facebook-Seite des Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen offenbart sich dagegen reiner Rassismus. Von dem hatten wir in unserer Geschichte schon mehr als genug. Dabei gibt es einen Unterschied. Der Rassismus der Nazis richtete sich gegen die Juden, die Sinti und Roma und die slawischen Völker. Ein Bodensatz vor allem des Antisemitismus und desAntiziganismus ist davon geblieben. Zur Zeit aber blüht am rechten Rand unserer Gesellschaft auf ganz hässliche Weise die Missachtung der fremden Flüchtlinge auf. Die brennenden Flüchtlingsunterkünfte können durchaus an die brennenden Synagogen erinnern. Seit einer Woche verdeckt eine Friedenstaube bei dem Kriegerdenkmal dort unten ein nationales Zeichen des Krieges: das Eiserne Kreuz. Ich sage nicht ohne Grund: Es ist das Friedenszeichen dieser Gegendemonstrationen. Der Stadt Duderstadt ist zu danken, dass es vorerst dort bleiben darf. Aber auch der Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen, der das Kriegerdenkmal als Ort für seine Mahnwachen aussuchte, hat die Veränderung begrüßt. Die Friedenstaube sei „ein perfekt passendes Symbol für [ihre] friedlichen Ziele“. Doch die Friedenstaube kann für Fremdenfeindlichkeit nicht im Geringsten in Anspruch genommen werden. Sie mahnt zu einem uneingeschränkt friedlichen Umgang der Menschen miteinander. Wo auch immer es sei. Überall. Gegenüber den Flüchtlingen heißt das: Unsere Hilfsbereitschaft und unsere Mitmenschlichkeit sind gefordert – und nicht feindselige Zurückweisung. Wer in der Aufnahme von Flüchtlingen einen „Irrsinn“ sieht, wer Hass gegen Fremde zu schüren versucht, verhält sich extrem unfriedlich. Er ist der wahre geistige Brandstifter. Wenn er sich dennoch auf die Friedenstaube beruft, dann zur Tarnung und Täuschung. Die Organisatoren der „Mahnwachen“ des „Freundeskreises“ versuchen, sich hinter einer biederen Maske zu verbergen, eben auch hinter solchen Symbolen, wie die Friedenstaube eines ist. Das kann ihnen aber nicht gelingen. Es bleibt deshalb durchschaubar, weil sie sich zugleich gegenüber ihren Sympathisanten zu erkennen geben müssen. Weil sie versuchen, mit Hilfe von Stimmungsmache gegen Flüchtlinge ihre Basis zu verbreitern. So ist festzustellen: Sie sind nicht das, was zu sein sie gegenüber Außenstehenden vorgeben. Sie sind alles andere als harmlos.  Deshalb weise ich zum Schluss auf eine weitere Lehre hin, die aus der Zeit des Nationalsozialismus zu ziehen ist: Wehret den Anfängen! Zitate aus https://www.facebook.com/pages/Freundeskreis-Th%C3%BCringen- Niedersachsen/1647823015497768?sk=videos&ref=page_internal am 26.12.2015 und einem Mitschnitt der Reden und Rufe bei der „Mahnwache“ am 13.12.2015. Götz Hütt