Themen: NS-Zwangsarbeit - Zwangsarbeiterkind    in Duderstadt KZ-Außenlager Jüdische Gemeinde: Geschichte -  jüdischer Friedhof Friedhof 1953 Vernichtung Stolpersteine  Nationalsozialismus  und Duderstadt - Verdrängte Realität - Bgm. Dornieden - Richter Trümper - Priester R. Kleine Nachgeschichte des Nationalsozialismus:  - bürgerliche Alt-Nazis  - Kriegsgräber  - Anreischke  - Rechtsextremismus Friedensglobus Kriegsgefangene Hinweis: Die Geschichtswerkstatt Duderstadt e.V. wurde vom Finanzamt Northeim als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenquittungen ausstellen. Bankverbindung der Geschichtswerkstatt: Sparkasse Duderstadt (BLZ 26051260), Konto Nummer 116830 Richard Kleine Katholischer Priester, Lehrer und Nationalsozialist Emblem des Bundes katholischer Deutscher “Kreuz und Adler” Der Bund katholischer Deutscher “Kreuz und Adler”, ein reiner Männerbund, wurde am 3. April 1933 unter der Schirmherrschaft von Franz von Papen, damals Vizekanzler des Deutschen Reiches, gegründet. Der Gründungaufruf “An alle katholische Deutschen!” erblickt “im stürmischen Aufbruch des Nationalbewusstseins” die Vision eines künftigen Reiches, das “die gottgegebene Sendung des Deutschtums verkörpert und er erklärt es zur Aufgabe für katholische Deutsche, am kommenden Reiche mitzubauen und die “Volks- und Staatsordnung in christlich-deutschem Geiste zu erneuern”. Der Zweck des Bundes wird dabei so beschrieben: “... den christlich- konservativen Gedanken im deutschen Volke zu vertiefen, das Nationalsbewusstsein der katholischen Deutschen zu stärken und den Aufbau des kommenden Reiches geistig zu fördern” - es zu gründen auf dem “christlichen Erbgut” und der “Idee des Reiches” durch katholische Christen und Nationalsozialisten. [1] Der geschäftsführende Vorsitzende Emil Ritter schrieb in den ab Mai 1933 herausgegebenen “Führerbriefen”: Die schon in der beiderseitigen Grundhaltung angelegte Gesinnungsgemeinschaft zwischen dem Nationalsozialismus und dem konservativen Katholizismus soll durch die Tätigkeit des Bundes zu einer Willens- und Zielgemeinschaft entwickelt werden.” [2] Die Wirkung des Bundes “Kreuz und Adler” blieb im Wesentlichen auf Akademiker- und Adelskreise beschränkt. In der Abtei Maria Laach fand im April 1933 ein Treffen statt. Im Oktober 1933 ging der Bund auf in der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Deutscher. Diese war praktisch eine Untergliederung der NSDAP. Ihren Gründungsaufruf unterzeichnete Rudolf Heß. Nun ging es darum, “in den katholischen Volksteilen das nNationalsbewusstsein zu stärken, eine ehrliche, rückhaltlose Mitarbeit am Nationalsozialismus zu zu vertiefen und zu vermehren, die Reihen aktiver Kämpfer zu vergrößern ...”[3] Alle Zitate sind entnommen der Dokumentation von Klaus Breunig: Die Vision des Reiches. Deutscher Katholizismus zwischen Demokratie und Diktatur (1921-1934), München 1969: [1] S. 326 f. [2] S. 233 [3] S. 236. Bemühten sich mehrere katholische Theologen im Untereichsfeld, die Gläubigen zu staatsbürgerlicher Mitwirkung im „Dritten Reich“ anzuleiten und sie zu Gehorsam gegenüber der nationalsozialistischen Obrigkeit aufzurufen, ohne selbst Nationalsozialisten zu sein, war der Priester Richard Kleine, der als Studienrat am Duderstädter Gymnasium katholischen Religionsunterricht erteilte, genau dies. In Briefen an den Oberpräsidenten des Regierungsbezirks Hannover und an das Reichsministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom Herbst 1933 stellte er sich als Nationalist und dann Nationalsozialist vor, der „zum Werke Adolf Hitlers innerste Beziehungen fand“ [1] und seit 1931 für die nationalsozialistische Bewegung öffentlich eingestanden wäre. Er habe sich in dutzenden Religionsstunden in den oberen Klassen, „die ausschließlich diesem Ziele dienten, bemüht, der studierenden Jugend die Weltanschauung unseres Führers gerade aus christlicher Gläubigkeit möglichst nahe zu bringen, habe die männliche Kraft und Größe seiner Persönlichkeit und seine untadelige, ritterliche Lauterkeit ihr als Vorbild hingestellt, habe in […] Predigten den Segen des Himmels auf ihn und seine schwere Aufgabe herabgefleht, habe die Judenfrage in ihrer ganzen Größe und Dringlichkeit vor dieser Jugend aufgerollt und darüber hinaus in vielen Artikeln  und Aufsätzen“ [2]   sich unzweideutig in führenden katholischen Blättern und Zeitschriften für den Nationalsozialismus eingesetzt. Bereits in der Weimarer Republik habe er durch viele Publikationen „gegen die Revolution der Novemberverbrecher und die furchtbaren Verirrungen der deutschen Volksseele“ gekämpft, „gerade vom Standpunkt eines Geistlichen“ .[3]   Kleine gehörte zur Leitung des deutschlandweit  agierenden Bundes katholischer Deutscher „Kreuz und Adler“, dessen Gründung von Vizekanzler Franz von Papen im April 1933 initiierte und der in der NSDAP-ge-steuerten „Vereinigung katholischer Deutscher“ aufging. Auch in dieser Vereinigung hat Kleine mitgewirkt. Er wies darauf hin, dass der Aufruf „An die katholischen Deutschen!“ zur Bildung des Bundes „Kreuz und Adler“ in Duderstadt zusammen-gestellt worden sei. Ziel sei gewesen,  „den  innerkirchlichen  Anschluss  des   g e s a m t e n  deutschen Katholizismus an das Werk unseres Führers“ [4] zu erreichen. Der Aufruf erklärte die Absicht, „… den christlich-konservativen Gedanken im deutschen Volke zu vertiefen, das Nationalbewusstsein der katholischen Deutschen zu stärken und den Aufbau des kommenden Reiches geistig zu fördern“ –  es durch katholische Christen und Nationalsozialisten zu gründen auf dem „christlichen Erbgut“ und der alten „Idee des Reiches“1  der Deutschen. [5]  Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Richard Kleine, inzwischen zum Oberstudienrat befördert, am Duderstädter Gymnasium weiterhin erlaubt, sich in alter Gesinnung darum zu bemühen, durch Pflege des Heldengedenkens das Nationalsbewusstsein junger Menschen zu fördern. An der Universität des Saarlandes wird inzwischen an dem Forschungsprojekt Richard Kleine (1891-1974). Biographie und theologisches Profil eines nationalsozialistischen Priesters gearbeitet. Es wird auf  der Homepage der Universität folgendermaßen beschrieben: „Ziel des Forschungsvorhabens ist die Abfassung einer wissenschaftlichen Biographie des katholischen Priesters und Religionslehrers Richard Kleine (1891-1974) und eine Studie zu Konzeptionen und Elementen einer Theologie, die wesentliche Teile nationalsozialistischer Ideologie und Praxis zu integrieren suchte. Kleine optierte uneingeschränkt für den Nationalsozialismus und verband diese Überzeugung mit dem Anliegen einer Reform von Kirche und Theologie und mit dem Willen zur Überwindung der konfessionellen Differenzen auf der Grundlage der Volksgemeinschaftsideologie. Darüber hinaus sollen Reichweite, Organisation und Mitglieder einer konspirativen Gruppe nationalsozialistischer Priester erforscht werden, deren führender Kopf Kleine in Deutschland war. Kleines Einstellungen blieben nach 1945 im Wesentlichen unverändert – zu zeigen ist, wie sie sich in theologischen und religionspädagogischen Reflexionen und Aktivitäten niederschlugen.        Zu erwarten sind neue Erkenntnisse über den Zusammenhang von Modernität und Affinität zum Nationalsozialismus in der deutschen katholischen Theologie, welche die Grundlage für die Diskussion über etwaige nationalsozialistische Tendenzen in der deutschen Reformtheologie verbreitern können.“ [6] [1] Zitiert nach Bormann, Irene: Keine Schule wie jede     andere. Geschichte des staatlichen Gymnasiums in     Duderstadt 1876 – 2001, Duderstadt 2001, S. 300. [2] A.a.O., S. 295. [3] A.a.O., S. 299. [4) A.a.O., S. 294. [5] Zitiert aus der Dokumentation in Breuning, Klaus: Die Vision     des Reiches. Deutscher Katholizismus zwischen       Demokratie und Diktatur (1921-1934), München 1969,     S. 32.